Donnerstag, April 16, 2026

Veronica Kaup-Hasler: die Politikerin, die Wien zu einem Zentrum der Kunst machte

Das moderne Wien ist ohne sein pulsierendes Kulturleben, das längst die Grenzen traditioneller Opernsäle überschritten hat, nicht mehr vorstellbar. Eine der Hauptinitiatorinnen dieses Wandels ist Veronica Kaup-Hasler – eine österreichische Politikerin, Kuratorin und Reformerin, die Wien zu einem echten Epizentrum europäischer Kunst gemacht hat. Als amtsführende Stadträtin für Kultur und Wissenschaft ist es ihr gelungen, das imperiale Erbe mit gewagtester Avantgarde zu vereinen und die Stadt in einen Raum für freie Selbstentfaltung zu verwandeln. Über den Werdegang von Veronica Kaup-Hasler und ihren Beitrag zur Entwicklung der Hauptstadt berichtet viennayes.eu.

Veronica Kaup-Hasler Wien

Wer ist Veronica Kaup-Hasler?

Das politische und kulturelle Leben des heutigen Wiens ist ohne Veronica Kaup-Hasler nicht mehr denkbar. Seit 2018 bekleidet sie das Amt der Stadträtin für Kultur und Wissenschaft und bestimmt damit maßgeblich den kulturellen Kurs der österreichischen Bundeshauptstadt. Ihre Einzigartigkeit auf dem politischen Parkett liegt darin, dass sie keine reine Administratorin ist, sondern eine Expertin, die mit enormer praktischer Erfahrung aus dem Kunstbereich in die Amtsstuben kam.

Ihr Lebensweg gleicht einem dramatischen Drehbuch. In Dresden (DDR) geboren, kam sie bereits als Kleinkind nach Wien, nachdem ihrer Familie 1970 die Flucht aus Ostdeutschland gelungen war. Nach ihrem Studium der Germanistik, Theaterwissenschaft und Politikwissenschaft an der Universität Wien begann sie eine Karriere, die das Gesicht der österreichischen Kunstszene nachhaltig prägen sollte.

Kaup-Haslers Einfluss basiert auf über 20 Jahren Erfahrung im Kulturmanagement auf höchstem Niveau. Sie arbeitete als Dramaturgin in Basel sowie bei den Wiener Festwochen, war künstlerische Mitarbeiterin des legendären Luc Bondy und lehrte an der Akademie der bildenden Künste.

Ein internationaler Meilenstein war ihre Zeit als Intendantin des Festivals für zeitgenössische Kunst steirischer herbst. In den zwölf Jahren ihrer Leitung – eine Rekordzeit in der Geschichte des Festivals – forcierte sie spartenübergreifende Projekte, die die Grenzen zwischen Politik und Performance auflösten. Unter ihrer Führung wurde das Festival Teil des renommierten europäischen Netzwerks NXTSTP.

Wiener Kulturpolitik

Ihre Berufung in den Wiener Stadtsenat im Jahr 2018 markierte den Übergang zu einer Politik der „offenen Kultur“. Ihre Strategie stützt sich auf drei fundamentale Prinzipien:

  • Förderung der freien Szene. Veronica Kaup-Hasler setzt sich aktiv für die Finanzierung freier Theater und alternativer Kunstprojekte ein. Dies verhindert, dass Wien zum erstarrten Museum wird – die Stadt bleibt ein lebendiger Organismus, in dem neben der Staatsoper auch radikale soziale Performances ihren Platz finden.
  • Synergie von Wissenschaft und Kreativität. Als Stadträtin, die auch für Wissenschaft zuständig ist, sieht sie eine direkte Verbindung zwischen humanistischer Entwicklung und technologischem Fortschritt. Wissenschaftliche Innovationen werden durch kreatives Denken stimuliert.
  • Kunst als Teil des Stadtbildes. Durch ihre Initiativen umfasst die Neugestaltung des öffentlichen Raums nun konsequent künstlerische Interventionen. Kunst findet auf Straßen und Plätzen statt und wird so zum Teil des Alltags aller Wienerinnen und Wiener.

Die Politik von Veronica Kaup-Hasler beweist: Tradition soll keine Fessel sein, sondern ein Fundament für Innovation. Dieser pragmatische und zugleich mutige Ansatz macht Kultur zu einem mächtigen Werkzeug für die soziale Entwicklung und den wirtschaftlichen Erfolg Wiens.

Veronica Kaup-Hasler Reformen

Kulturelle Revolution: Die Transformation des Stadtraums

Die Arbeit von Veronica Kaup-Hasler ist weit mehr als reine Budgetverwaltung – es ist eine umfassende Transformation. Sie ist überzeugt, dass Kultur keine „Dekoration“ der Architektur ist, sondern eine zentrale Ressource für die Entwicklung einer modernen Metropole.

Eines der ambitioniertesten Projekte ist die „Wiener Kulturstrategie 2030“. Dies ist kein bloßes Deklarationspapier, sondern ein detaillierter Fahrplan, der im Dialog mit Kunstschaffenden und der Bevölkerung entwickelt wurde. Die Schwerpunkte der Strategie finden sich in der folgenden Tabelle:

BereichKern der InitiativeBedeutung & Resultat
Fair PayEinführung des Prinzips der verpflichtenden fairen Vergütung für KunstschaffendeDer Künstlerberuf wird offiziell als Wirtschaftssektor anerkannt, nicht als „Hobby“
Digitale TransformationAktive Integration von Kunstprojekten in moderne digitale PlattformenKunst wird für die Jugend und ein globales Publikum rund um die Uhr zugänglich
Inklusion & DiversitätAnpassung der Förderprogramme an das multikulturelle Umfeld WiensEinbeziehung unterschiedlicher ethnischer und sozialer Gruppen in das Kulturleben

Wichtig! In Kaup-Haslers Vision ist Kultur fest in die Stadtplanung integriert. Das bedeutet, dass bei der Errichtung neuer Stadtviertel die kulturelle Infrastruktur bereits in der Planungsphase mitgedacht wird, gleichberechtigt mit Kindergärten oder Gesundheitseinrichtungen.

Ein zweiter wesentlicher Vektor ihrer Politik ist die Dezentralisierung. Sie bricht konsequent das Stereotyp auf, dass sich alles Relevante nur innerhalb des Ersten Bezirks (Ringstraße) abspielt:

  • Lokale Kultur-Hubs: Schaffung von Möglichkeiten für Kreativität dort, wo die Menschen leben – in den Außenbezirken der Stadt.
  • Revitalisierung von Leerstand: Die Nutzung alter Industriegebäude für Ateliers und Ausstellungen haucht „vergessenen“ Orten neues Leben ein.
  • Kultur abseits der Touristenpfade: Die Entwicklung der Infrastruktur in Wohngebieten verwandelt Wien vom „Museums-Ort“ in einen lebendigen Raum für seine Bewohner.
Kulturelle Dezentralisierung Wien

Kunst als Kapital: Eine neue ökonomische Logik

Die Politik von Veronica Kaup-Hasler hat Wien als eine Stadt etabliert, in der zeitgenössische Performance dasselbe Gewicht hat wie die Staatsoper. Ihr Ansatz beruht auf drei Säulen: der Aufwertung der freien Szene, Krisenmanagement und der Neudefinition von Kunst als kraftvollem Wirtschaftsmotor.

Die Unterstützung für experimentelle Kunst ist unter ihr systemisch geworden. Dies geschieht durch konkrete Instrumente: Arbeitsstipendien, gezielte Förderungen und Ankäufe zeitgenössischer Werke durch die Stadt.

Die COVID-19-Pandemie war ein Härtetest für die Stadt. Auf Initiative von Kaup-Hasler entstand der Kultursommer Wien – ein riesiges Gratis-Festival über die ganze Stadt verteilt. Dies war nicht nur Unterhaltung, sondern ein strategischer Schachzug: Bühnen in den Außenbezirken machten Kunst für alle zugänglich, während hunderte Künstler mitten in der Krise Beschäftigung fanden.

Kultursommer Wien

Kultur als Ressource, nicht als Kostenfaktor

Kaup-Hasler betont offen: Kultur ist das, was Touristen und Investitionen anzieht. Wien erlebt einen „Kultur-Boom“, und die Politik möchte diesen Erfolg nachhaltig nutzen.

Eine der meistdiskutierten Ideen ist die Einführung eines speziellen „Kultur-Euros“ für Touristen. Die Logik dahinter: Einnahmen von Reisenden sollen direkt zurück in das System fließen, um neue künstlerische Initiativen zu fördern. Es ist ein radikal neuer Ansatz für Europa, bei dem Kultur als vollwertiges ökonomisches Asset betrachtet wird.

Zwischen Applaus und Kritik: Die Kehrseite der Reformen

Der Weg einer Reformerin ist selten ohne Reibung. Die Politik von Kaup-Hasler ist oft Gegenstand lebhafter Debatten. Hauptkritikpunkte betreffen die Ressourcenverteilung: Kunst-Communities kritisieren gelegentlich die Stadtverwaltung für eine unzureichende Finanzierung spezifischer Nischensektoren.

Auch die Budgetbalance wird hinterfragt. In Krisenzeiten werden Kürzungen schmerzhaft wahrgenommen und führen zu Diskussionen darüber, ob teure Großinstitutionen auf Kosten der freien Szene erhalten werden sollten. Die Suche nach dem Kompromiss zwischen Wirtschaftlichkeit und künstlerischer Freiheit ist eine tägliche Herausforderung.

Veronica Kaup-Hasler Fazit

Veronica Kaup-Hasler ist weit mehr als eine Politikerin. Sie ist eine Architektin, die die Rolle der Kultur neu definiert hat. Dank ihres Ansatzes wird Wien weltweit zunehmend nicht nur als gemütliche Wiege der Klassik wahrgenommen, sondern als dynamisches, mutiges europäisches Zentrum für zeitgenössische Kunst. Kultur in Wien ist heute nicht nur Vergangenheit, sondern die Zukunft, die hier und jetzt gestaltet wird.

Quellen: presse.wien.gv.at, datasets.ai, www.travelgumbo.com, www.vienna.at, www.ots.at

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