Donnerstag, Mai 21, 2026

Der Beitrag Wienerinnen zu den Geschäftsaktivitäten während der deutschen Besatzung

Während der deutschen Besatzung Wiens erfuhr der Arbeitsmarkt eine tiefgreifende Transformation: Die Rolle der Frauen in Industrie und Wirtschaft wuchs spürbar. Sie besetzten aktiv die freien Stellen, die durch die Mobilisierung der Männer entstanden, und wurden zur zentralen Arbeitskraft sowohl in der zivilen Produktion als auch in den Diensten des Hinterlandes. Trotz ihrer wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung war das Arbeitsleben der Arbeiterinnen der Politik des NS-Regimes strikt untergeordnet. Ihre Arbeit wurde durch Prozesse wie die „Arisierung“, die Zwangsmobilisierung von Arbeitskräften und in vielen Fällen den Einsatz von Zwangsarbeit reguliert. Mehr dazu auf viennayes.eu.

Frauen in Wien erobern Industrie und Dienstleistungssektor

Während der Jahre des Zweiten Weltkriegs, insbesondere von 1939 bis Mitte der 1940er Jahre, erlebte die Wirtschaft des Dritten Reiches, einschließlich Österreichs, einen drastischen Zustrom weiblicher Arbeitskräfte. Dies war ein europaweiter Trend, ausgelöst durch die Massenmobilisierung von Männern an die Front. Wien, als großes Industrie- und Verwaltungszentrum, wurde zum anschaulichen Beispiel dieser Veränderung.

Frauen wurden in großem Umfang rekrutiert, um offene Stellen in Fabriken, bei Kommunalarbeiten, im Transportwesen und in Lagern zu besetzen. In Deutschland stieg der Gesamtanteil der erwerbstätigen Frauen von etwa 26 % auf 36 %. Wiener Frauen übernahmen Schlüsselpositionen in Sektoren, die für das Funktionieren der Stadt und die Unterstützung der Kriegswirtschaft unerlässlich waren:

  • Produktion und Leichtindustrie. Frauen stellten traditionell einen bedeutenden Anteil des Personals in für Wien wichtigen Bereichen wie Textilfabriken, Schneidereien, Konditoreien und der Lebensmittelindustrie. Studien aus dieser Zeit belegen eine hohe Mobilität der weiblichen Arbeitskräfte und ernsthafte organisatorische Veränderungen in diesen Branchen, die sowohl die Bedürfnisse der Zivilbevölkerung als auch die Bestellungen des Hinterlandes sicherten.
  • Bauwesen und Kommunalarbeiten. Frauen, einschließlich mobilisierter und zwangsverpflichteter Arbeiterinnen, waren an schweren Arbeiten beteiligt. Die Stadtverwaltung Wien setzte sowohl lokale als auch ausländische Arbeiterinnen für Bau- und Wiederherstellungsarbeiten ein, insbesondere für die Reparatur der Infrastruktur nach Luftangriffen. Veröffentlichungen des Wien Museums bestätigen das Ausmaß des Einsatzes von Zwangsarbeit, unter anderem im Bauwesen.
  • Transport, Logistik und Verwaltung. Aufgrund der Mobilisierung der männlichen Bevölkerung übernahmen Frauen zahlreiche Funktionen im Dienstleistungssektor. Sie arbeiteten bei der Bahn, der Post, in Büros und Lagern und gewährleisteten den reibungslosen Betrieb des Hinterlandes und der Verwaltungsdienste.

Somit entwickelten sich die Wiener Frauen während der Besatzung zu einer unverzichtbaren Arbeitsreserve, die das wirtschaftliche und soziale Leben der Stadt aufrechterhielt, obwohl ihre Tätigkeit durch die Politik des NS-Regimes streng begrenzt und kontrolliert wurde.

Zwang statt Wahl: Die tragische Rolle der Frauen im System der „Zwangsarbeit“

Die Beteiligung von Frauen am Produktionsprozess im besetzten Wien hatte nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern auch einen tragisch-zwanghaften Charakter. Der Beitrag Zehntausender Frauen zum Funktionieren österreichischer und deutscher Unternehmen war faktisch Zwangsarbeit. Ausländische Bürgerinnen, oft gegen ihren Willen deportiert oder mobilisiert, bildeten einen bedeutenden und schmerzhaften Teil der Arbeitskräfte.

Das System der Zwangsarbeit war der Schlüssel zur Unterstützung der Kriegswirtschaft des Dritten Reiches. Insgesamt wurden während des Zweiten Weltkriegs über 12 Millionen Menschen zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Es waren diese Zwangsarbeiter, die lebenswichtige Bereiche wie die Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten und die Waffenproduktion aufrechterhielten. Die Industrie profitierte direkt von dieser Ausweitung der Produktion.

Im Sommer 1944, auf dem Höhepunkt der Ausbeutung, arbeiteten im Deutschen Reich nicht nur sechs Millionen zivile Zwangsarbeiter, sondern auch zwei Millionen Kriegsgefangene und über eine halbe Million KZ-Häftlinge. In den besetzten Gebieten waren Millionen, Frauen und Kinder (und Männer) gezwungen, für den Feind zu arbeiten. Für die in Wien mobilisierten oder dorthin deportierten Frauen bedeutete dies die vollständige Unterordnung ihres Arbeitslebens unter die aggressive Politik des Regimes, in der Wahlfreiheit und Würde völlig fehlten.

Im Internet sind bereits große Archive und Sammlungen von Interviews mit ehemaligen Zwangsarbeiterinnen verfügbar, die die Erinnerung an diese tragische Erfahrung bewahren.

Verdrängung jüdischer Frauen aus der Wirtschaft Wiens

Infolge der nationalsozialistischen „Arisierungspolitik“ und der brutalen Rassengesetze erfuhr die Wirtschaftslandschaft Wiens radikale Veränderungen, und jüdische Frauen verloren ihren Platz im Berufsleben der Stadt. Frauen, die bis 1938 ein fester Bestandteil von Familien- oder Privatunternehmen waren, wurden die ersten Opfer dieser Politik. Sie wurden von ihren Arbeitsplätzen verdrängt, deportiert oder zur Emigration gezwungen. Gleichzeitig fand eine spürbare Eigentumsverschiebung statt: Jüdische Unternehmen wurden konfisziert oder zwangsweise an andere übertragen.

Diese Maßnahmen führten zu einer drastischen Reduzierung des professionellen Beitrags jüdischer Frauen zur Wiener Wirtschaft, was nicht nur persönliche Tragödien verursachte, sondern auch tiefe, erzwungene Transformationen in der Struktur des lokalen Geschäftslebens. Ihr Ausschluss aus dem Wirtschaftsleben wurde zu einem grausamen Beispiel dafür, wie das politische Regime rassistische Diskriminierung zur Umverteilung von Ressourcen und Arbeitskräften nutzte.

Widerstand und Führungsrollen von Frauen

Vor dem Hintergrund strenger politischer Kontrolle und Zwangsarbeit zeigten einige Wiener Frauen nicht nur eine hohe berufliche Anpassungsfähigkeit, sondern auch individuelle Initiative und stellenweise sogar Widerstand.

Indem sie mobilisierte Männer ersetzten, übernahmen Frauen Rollen, die zuvor als rein männlich galten. Sie leiteten Werkstätten, organisierten komplexe Versorgungssysteme und managten lokale Dienste. Diese neue Verantwortung erforderte nicht nur Qualifikation, sondern auch die Fähigkeit, unter Bedingungen ständigen Mangels und externen Drucks Entscheidungen zu treffen.

Die Geschichte Wiens aus dieser Zeit kennt Beispiele von Frauen, die für Rechte und Würde kämpften. Das Leben von Aktivistinnen der Zwischenkriegszeit demonstriert anschaulich den Preis eines solchen Widerstands in der Zeit des Nationalsozialismus. Eine dieser Aktivistinnen war Käthe Leichter. Ihr Schicksal dient als tragisches Symbol. Als bekannte Forscherin und Aktivistin in der Zwischenkriegszeit wurden ihr Leben und ihr Tod zum direkten Zeugnis dafür, welchen Preis der Schutz von Arbeiter- und Frauenrechten unter dem NS-Regime hatte. Ihr Kampf unterstreicht den tiefen Konflikt zwischen den Idealen sozialer Gerechtigkeit und der totalitären Ideologie.

Soziale und pflegerische Rollen der Frauen: Unterstützung des Hinterlandes

Neben dem Industrie- und Verwaltungssektor erfüllten Frauen lebenswichtige Rollen im Hinterland, die die Funktionsfähigkeit der Stadt und das Überleben der Familien sicherten. Sie arbeiteten als Krankenschwestern, Sozialarbeiterinnen, leiteten Kindereinrichtungen und Lebensmittelküchen. Diese Dienste unterstützten direkt die Arbeitsfähigkeit der Unternehmen, indem sie sich um die Familien der Arbeiter und mobilisierten Soldaten kümmerten.

Tagebücher und Zeugnisse von Frauen, die seit 1945 aufbewahrt werden, bestätigen die kritische Bedeutung ihrer pflegerischen und wohltätigen Tätigkeit für die Sicherstellung eines minimalen Niveaus an sozialer Stabilität in Wien.

Somit zeigten sich die Wiener Frauen während der Besatzung nicht nur als notwendige Arbeitsressource, sondern auch als Subjekte der Geschichte, die fähig zu Führung, Widerstand und der Sicherung der Lebensfähigkeit der Gemeinschaft waren.

Quellen: www.striking-women.org, magazin.wienmuseum.at, www.nationalww2museum.org, www.zwangsarbeit-archiv.de

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