Freitag, Mai 15, 2026

Der Kampf der Frauen um das Wahlrecht in Wien

Die Wiener Frauen mussten große Anstrengungen unternehmen, Demütigungen und Geringschätzung ertragen, um das Wahlrecht zu erlangen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatte der Großteil der Bevölkerung kein Wahlrecht. Während der sogenannten „bürgerlichen Revolution“ von 1848 forderte das Bürgertum politische Rechte. Die Revolution eröffnete neue Möglichkeiten für Frauen, schreibt viennayes.eu.

Frauen gegen Ungerechtigkeit

Die erste Frauendemonstration für Lohngerechtigkeit fand 1848 statt. Um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen, organisierte die Regierung sogenannte „Notstandsarbeiten“ im Wiener Prater, bei denen Menschen für schwere Erdarbeiten eingesetzt wurden. Männer erhielten 25 Kreuzer, Frauen 20 Kreuzer und Kinder 15 Kreuzer für einen 12-Stunden-Arbeitstag. Als die Löhne um 5 Kreuzer gekürzt wurden, begannen die Proteste.

So fand am 21. August 1848 im Zentrum Wiens die erste Frauendemonstration in Österreich statt. Zwei Tage später gab es im Prater eine weitere Frauenkundgebung, die von Männern unterstützt wurde. Diese Veranstaltung wurde jedoch niedergeschlagen. Die Nationalgarde ging brutal gegen die Demonstrierenden vor, wobei 24 Menschen getötet und mehrere Hundert verletzt wurden.

Wenige Tage nach diesem Ereignis gründete Karoline von Perin illegal den „Wiener demokratischen Frauenverein“. Das Hauptziel dieses Vereins war die Herstellung der sozialen Gleichheit von Männern und Frauen. Der Verein wurde wiederholt von wütenden Männern gestürmt, was bald zu seiner Schließung führte.

Der Versuch, Frauen auszuschließen

In der Habsburgermonarchie war das Wahlrecht lange Zeit an Besitz und Steuerleistung gekoppelt. Zur Wahl zugelassen waren nur diejenigen, die einen entsprechenden Status innehatten oder eine besondere Stellung bekleideten.

Die Reichsratswahlordnung von 1907 führte das allgemeine und gleiche Männerwahlrecht ein. Dies bedeutete jedoch, dass einige privilegierte Frauen, die zuvor wahlberechtigt waren, dieses Recht verloren.

Der Versuch, Frauen 1889 das Wahlrecht auf kommunaler Ebene zu entziehen, löste die Frauenwahlrechtsbewegung in Niederösterreich aus.

Im Jahr 1911 fand in Wien auf der Ringstraße eine Kundgebung anlässlich des Internationalen Frauentags statt, die dem Kampf für das Frauenwahlrecht gewidmet war. Die lokale „Arbeiter-Zeitung“ berichtete, dass 20.000 Frauen an der Kundgebung teilnahmen.

Vom 11. bis 12. Juni 1913 fand in Wien eine internationale Konferenz zum Frauenwahlrecht statt. Zu diesem Anlass wurde am 12. Juni eine Demonstration organisiert. Mehr als 120 Pferdekutschen, geschmückt mit gelben Fahnen und dem Slogan „Wahlrecht für alle Frauen“, fuhren durch die Wiener Innenstadt. Der lange Kampf der Frauen um politische Teilhabe war jedoch erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs von Erfolg gekrönt.

Der Krieg veränderte den Status der Frauen

Durch den Einsatz der Frauen während des Ersten Weltkriegs veränderte sich ihr sozioökonomischer Status. Als die Männer zum Militärdienst eingezogen wurden, übernahmen viele Frauen Arbeiten, die zuvor von Männern verrichtet worden waren. In Wien arbeiteten viele Frauen als Schaffnerinnen und Briefträgerinnen. An der Front dienten sie als Krankenschwestern, in den Dörfern sammelten sie Lebensmittel und andere Güter für die Soldaten und leisteten Freiwilligenarbeit. All dies führte dazu, dass die Frauen an Selbstbewusstsein gewannen. Bald spiegelte sich dies in der verfassungsrechtlichen Verankerung des allgemeinen und gleichen Frauenwahlrechts wider. Dieses wichtige Ereignis fand am 12. November 1918 statt.

Nachdem sie das Wahlrecht erlangt hatten, stimmten bei den Wahlen zur Konstituierenden Nationalversammlung im Februar 1919 bereits 82,10 % der wahlberechtigten Frauen ab. Prostituierte waren zu dieser Zeit noch nicht wahlberechtigt. Sie erhielten diese Möglichkeit erst im Jahr 1923.

Aus all dem lässt sich schließen, dass die Frauen trotz aller Schwierigkeiten ihr Ziel erreicht haben.

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