Sonntag, Mai 10, 2026

Antijüdische Pogrome in Wien

Im Mittelalter lebten in der österreichischen Hauptstadt viele Juden. Allerdings herrschte nicht nur in Wien, sondern in ganz Österreich ein starker Hass gegen Menschen dieser Herkunft. Im Jahr 1421 befahl Herzog Albrecht V. ein Pogrom und die Vernichtung aller Juden. Infolge dieses Befehls wurden vor den Toren Wiens rund 200 Juden verbrannt, wie viennayes.eu berichtet.

Die Judenverfolgung im 15. Jahrhundert

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts gab es in Wien eine große jüdische Gemeinde. Diese Menschen waren nicht wie andernorts in Ghettos isoliert, sondern lebten vollständig integriert mit der christlichen Bevölkerung zusammen. Nichts deutete auf eine Katastrophe hin, doch sie geschah.

Als Herzog Albrecht V. 1411 an die Macht kam, verschlechterte sich die Lage der jüdischen Minderheit in Wien dramatisch. Im Mittelalter gab es verschiedene Verschwörungstheorien. Eine davon führte dazu, dass die Juden beschuldigt wurden, für die Pestepidemie und die Kreuzigung Jesu Christi verantwortlich zu sein.

Herzog Albrecht V. verfolgte die Juden grausam. Er behauptete, sie hätten Waffen an die aufständischen Hussiten in Böhmen geliefert. Diese Gerüchte bestätigten sich jedoch nicht. Dennoch suchte der habsburgische Herzog weiterhin nach Beweisen, um die Juden aller Todsünden zu überführen.

Mit Blut erkaufter Reichtum

Im Mai 1420 befahl der Herzog, über 1000 Wiener Juden gefangen zu nehmen. Mit besonderer Grausamkeit tötete der Herrscher 800 von ihnen. Die Überlebenden wurden in Gefängnisse gebracht, wo sie Misshandlungen und Folter ausgesetzt waren. Leider überlebten viele die Gefangenschaft nicht. Es ist anzumerken, dass nicht nur judenfeindliche Gesinnung den Herzog zu diesen grausamen Taten veranlasste. Ein weiterer Grund war, dass er Geld brauchte. Albrecht wollte Elisabeth von Luxemburg, die Tochter von Kaiser Sigismund, heiraten. Um dieses Ziel zu erreichen, benötigte er eine große Geldsumme. Der einfachste Weg, dies zu erreichen, war, die Juden zu vertreiben, sie zu töten und ihr Vermögen zu konfiszieren.

Den gefangenen Juden wurden ihre Häuser und Ländereien weggenommen. Am 12. März 1421 fand bei einer Massenhinrichtung vor dem Stadttor, an der Stelle, wo heute das weltberühmte Hundertwasserhaus steht, eine Massenverbrennung statt. Rund 120 jüdische Frauen und 92 Männer wurden verbrannt. Diese Morde ermöglichten es dem Herzog, seine Finanzen zu sanieren. Die triumphale Hochzeit mit Elisabeth im Stephansdom fand ein Jahr nach der Massenhinrichtung der Juden statt.

Nachdem die gesamte jüdische Gemeinde in Wien vernichtet worden war, wurde ein Wohn- und Ansiedlungsverbot für Menschen jüdischer Herkunft verhängt. Im Jahr 1624 wurde dieses Verbot vorübergehend aufgehoben.

Das blutige Pogrom im 20. Jahrhundert

Das Herbstpogrom von 1938 wurde zu einer schrecklichen Zerreißprobe für die Wiener Juden.

Das Pogrom wurde vom NS-Propagandaminister Joseph Goebbels raffiniert geplant. Am 7. November 1938 verübte der 17-jährige Jude Herschel Grynszpan in Paris ein Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath, was als Vorwand für die Pogrome diente. Mit seiner Tat wollte der junge Mann gegen die Verfolgung der deutschen Juden protestieren.

Vom 9. auf den 10. November 1938 fanden im gesamten Deutschen Reich, einschließlich Wien, judenfeindliche Pogrome statt. Die Nationalsozialisten stürmten jüdische Einrichtungen. Sie fuhren auf Lastwagen durch die Straßen, plünderten und zerstörten alles, was die Menschen durch harte Arbeit geschaffen hatten. Darüber hinaus spürten sie jüdische Männer und Frauen auf und ermordeten sie.

Innerhalb von zwei Tagen wurden in Wien 42 Synagogen zerstört und in Brand gesteckt. Darüber hinaus wurden Bethäuser, tausende Geschäfte und Wohnungen jüdischer Bürger zerstört und ihre Familien verhaftet. Etwa 27 Juden wurden brutal ermordet, 88 Personen schwer verletzt, 6547 Menschen verhaftet und rund 3700 in das deutsche Konzentrationslager Dachau deportiert.

Die Nationalsozialisten nannten diese Terroraktion zynischerweise „Reichskristallnacht“. Die antisemitische Propaganda der Nazis mündete in brutaler Gewalt, die sich mit den Jahren nur noch verschlimmerte. Letztendlich starben bis 1945 in Deutschland und Österreich 6 Millionen Juden.

...