Sonntag, Mai 10, 2026

Die Schlacht um Wien: Die erste Türkenbelagerung

Der Name Johanna Dohnal ist weltweit bekannt. Diese Frau war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der politischen Geschichte Österreichs. Im Laufe ihrer Karriere war sie gesellschaftlich engagiert, Mitglied des Wiener Gemeinderats, Abgeordnete sowie die erste Bundesministerin für Frauenangelegenheiten, schreibt viennayes.eu.

Eine schwierige Kindheit

Johanna Dietz wurde am 14. Februar 1939 in Wien geboren. Die Kindheit der zukünftigen Politikerin kann kaum als glücklich bezeichnet werden, da sie von klein auf mit Schwierigkeiten konfrontiert war. Die Familie lebte in großer Armut und kam kaum über die Runden. Das Mädchen wurde von ihrer Großmutter aufgezogen, da ihre Mutter an Tuberkulose erkrankt war. Nach dem Abschluss der Volks- und Hauptschule begann Johanna, anders als üblich, kein Studium an einer höheren Bildungseinrichtung, sondern fing als Industriekauffrau in einer Kunststofffabrik an zu arbeiten. Der alleinige Grund dafür waren finanzielle Schwierigkeiten.

Im Jahr 1956 trat die 17-jährige Dohnal der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) bei. Dort engagierte sie sich in der Bezirksorganisation und bei den „Kinderfreunden“, wo sie Parteiveranstaltungen und Spieleabende für Kinder organisierte.

1957 heiratete Johanna den Fahrer Franz Dohnal. Zwei Jahre später kam ihr erstes Kind zur Welt. 1960 wurde sie mit ihrem zweiten Kind schwanger, und die Familie zog in eine Gemeindewohnung. In dieser Zeit änderte sich ihr Leben grundlegend, da sie die meiste Zeit ihren Kindern widmen musste. Dies belastete die Beziehung zu ihrem Mann, die schließlich zerbrach. Letztendlich ließen sie sich scheiden. Zudem verlor sie ihre Arbeit. Da sie keine andere Wahl hatte, nahm Johanna eine Teilzeitstelle als Beraterin in einem Sanitärgeschäft an. Ihre Mutter half ihr bei der Betreuung der Kinder.

Politische Karriere

1969 wurde Johanna Bezirksrätin im Wiener Bezirk Penzing und 1971 zur Vorsitzenden der SPÖ Penzing gewählt. Der Kampf für die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in Österreich brachte die Politikerin dazu, sich verstärkt den Problemen von Frauen zu widmen. 1972 begann Dohnal aktiv ihre politische Karriere auszubauen. Sie wurde zur Landesfrauensekretärin der SPÖ Wien ernannt. 1973 wurde sie Mitglied des Wiener Gemeinderats und Landtags. In dieser Position setzte sich Johanna vor allem für den Ausbau sozialer Dienste und die Förderung der Sexualerziehung in den Schulen ein.

Im Jahr 1978 wurde in Wien das erste Frauenhaus in Österreich eröffnet. Die Umsetzung dieses Projekts, das von Vertreterinnen der autonomen Frauenbewegung konzipiert wurde, ist Johanna Dohnal zu verdanken. Sie setzte durch, dass auch nachfolgende Einrichtungen dieser Art autonom verwaltet und aus dem städtischen Budget finanziert werden.

1979 wurde Dohnal Staatssekretärin für allgemeine Frauenfragen im Bundeskanzleramt. In dieser Funktion entwickelte die Politikerin ein Förderprogramm für Frauen im Bundesdienst. Auf der 2. UN-Weltfrauenkonferenz in Kopenhagen leitete sie die österreichische Delegation und wurde zu deren Vizepräsidentin.

1987 wurde Johanna zur Vorsitzenden der Sozialistischen Frauen Österreichs und später zur stellvertretenden Bundesparteivorsitzenden der SPÖ gewählt. Während ihrer Zeit als Staatssekretärin setzte sie nachhaltige Initiativen im Bereich des Familien- und Sexualstrafrechts um. 1990 wurden unter Dohnals Mitwirkung in Österreich die Frauenrechte gesetzlich gestärkt: die Abschaffung der Vormundschaft über ledige Mütter, das Wegweisungsrecht bei Gewalt in der Ehe und das Verbot sexueller Belästigung.

1993 startete auf Initiative der Frauenministerin die Kampagne „Kriegsopfer: Vergewaltigte Frauen“. Dieses Programm umfasste die Bereitstellung von medizinischer und psychologischer Hilfe für vergewaltigte Frauen und Kinder im ehemaligen Jugoslawien sowie die Einrichtung von Beratungszentren und Schutzeinrichtungen. Im selben Jahr leitete die Politikerin den Frauenrechtsausschuss bei der UN-Menschenrechtskonferenz in Wien.

Die letzten Lebensjahre

Im Herbst 1995 zog sich Dohnal aus der Politik zurück, nahm jedoch bis zu ihrem Tod weiterhin aktiv an Kampagnen zu Frauen- und Menschenrechtsfragen teil. Darüber hinaus widmete sie sich ganz der öffentlichen Arbeit und öffentlichen Auftritten. In den Jahren 1995-1996 hielt sie am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien ein Proseminar mit dem Titel „Historical and Structural Requirements for Institutionalized Women’s Policy in Austria“. In den Jahren 2007-2008 lehrte sie als Gastprofessorin an der Universität Innsbruck im Rahmen der Fakultätsreihe „Politicians in Residence“. Johanna nahm auch am Frauenvolksbegehren teil, das 1997 vom „Unabhängigen Frauenforum“ initiiert wurde. Es wurde von über 645.000 Menschen unterzeichnet.

Anfang 2010, nachdem in Österreich eingetragene Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare legalisiert worden waren, schloss Johanna Dohnal mit ihrer Partnerin Annemarie Aufreiter eine solche. Dem Paar war es jedoch nicht vergönnt, ihr gemeinsames Leben lange zu genießen. Am 20. Februar 2010 verstarb Johanna in ihrem Haus in Mittergrabern.

Für ihre großen politischen Verdienste erhielt Dohnal zahlreiche Auszeichnungen. 1992 wurde sie von 500 Journalistinnen und Journalisten zur „Frau des Jahres“ gewählt. 1994 wurde ihr das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Im Jahr 2005 wurde sie zur „Bürgerin der Stadt Wien“ ernannt (die zweithöchste Auszeichnung der Stadt nach der Ehrenbürgerschaft).

...