Der Zweite Weltkrieg hinterließ tiefe Spuren im Leben der Wiener. Im April 1945 war Wien zur Hälfte zerstört. Die Spuren der Kämpfe waren überall sichtbar. Viele Häuser waren zerbombt, die Infrastruktur zerstört und eine große Anzahl von Menschen war obdachlos geworden. Noch schlimmer war die Lebensmittelversorgung der Stadtbewohner. Um zu überleben, zogen viele Menschen in die Dörfer, und der Schwarzhandel begann, wie viennayes.eu berichtet.
„Kostenlose“ Hilfe
Nach der Befreiung Wiens von den Nationalsozialisten wurde die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln zu einem akuten Problem, und die sowjetischen Truppen nahmen die Lösung dieser Frage in ihre eigenen Hände. Im Mai 1945 übergab die Rote Armee den Wienern beschlagnahmte Lebensmittel. Diese Hilfe war jedoch vergeblich, da die Mengen nicht ausreichten. Ab Juni lieferte die Rote Armee zusätzliche Lebensmittelrationen nach Wien. Diesmal allerdings nicht als Hilfe, sondern gegen zukünftige Bezahlung. Dabei mussten die Menschen mit dem Wertvollsten bezahlen. Sowjetische Soldaten begannen, die Stadtbewohner auszurauben, sie anzugreifen und Frauen zu vergewaltigen.
Besonderheiten der Ernährung während der Besatzung

Am 9. Juli 1945, drei Monate nach der Befreiung der österreichischen Hauptstadt, unterzeichneten die Siegermächte das „Abkommen betreffend die Sektorengrenzen und die Verwaltung der Stadt Wien“. Aber erst am 1. September besetzten die Westalliierten bestimmte Zonen: die Amerikaner die Bezirke Neubau, Josefstadt, Währing und Döbling. Alle anderen Bezirke blieben unter der Verwaltung der Sowjetunion.
Der Erste Bezirk war eine interalliierte Zone und stand unter der gemeinsamen Verwaltung der Besatzungsmächte. Die ersten Lebensmittellieferungen der Amerikaner trafen Ende August in Wien ein, und am 3. September begann ihre Verteilung. Von da an sahen sich die Wiener mit fünf verschiedenen Versorgungszonen und Lebensmittelkarten konfrontiert, die in den anderen Sektoren nicht eingelöst werden konnten.
Die westlichen Sektoren versorgten die Menschen besser mit Lebensmitteln als die sowjetischen. Das berichtete auch der Diplomat Josef Schöner in seinem Tagebuch. Er schrieb, dass die Bewohner der US-Zone gut mit Nahrungsmitteln versorgt wurden. Sie erhielten Speck, Kaffee und Brot.
Die Zeitung „Wiener Kurier“ vom 12. September 1945 schrieb, dass sich die Ernährungslage insgesamt verbessert habe, dank der Einrichtung der „Civilian Supply Section of Vienna Area Command“, die für die schnelle Versorgung der von den Amerikanern besetzten Wiener Bezirke mit Lebensmitteln zuständig war. An die Menschen wurden Getreide, Weizenmehl, Zucker und Speck verteilt. Allem Anschein nach erreichten Lebensmittelpakete aus Armeebeständen die Bevölkerung.
Trotz der Bemühungen der Amerikaner verschlechterte sich die Ernährungslage in der Stadt weiter.
Im September 1945 erhielten die Menschen 1550 Kalorien pro Tag, im März 1946 sank die Norm auf 1200 Kalorien, und im Mai wurde die Ration auf 900 Kalorien gekürzt.
Erst im Herbst 1946 verbesserte sich die Lebensmittelsituation wieder. Nach Einschätzung des Instituts für Wirtschaftsforschung konnte Österreich selbst unter größten Anstrengungen nicht allein überleben. Ohne weltweite Hilfe wären Hunger und Chaos unvermeidlich gewesen.
Die Siegermächte Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion hatten ebenfalls Schwierigkeiten, ihre eigene Bevölkerung zu versorgen; nur die Amerikaner hatten Lebensmittelüberschüsse.
Wien wurde jedoch von zahlreichen privaten und staatlichen Organisationen aus der Schweiz, Dänemark, Großbritannien und den Niederlanden geholfen.
Hilfe von Organisationen

Eine der größten und später wichtigsten Organisationen für Wien war die „Cooperative for American Remittances to Europe“ („CARE“). Diese Vereinigung kaufte in erster Linie überschüssige Lebensmittelrationen von der amerikanischen Armee auf und schickte sie nach Europa.
Am 20. Juni 1946 verließ der riesige Frachter „Antinous“ New York mit 15.000 Lebensmittelpaketen für Österreich an Bord. Davon wurden 3.200 Rationen nach Wien geliefert.
Am 25. Juli wurden Bundespräsident Karl Renner öffentlich 10 Lebensmittelpakete von „CARE“ als Geschenk von US-Präsident Harry S. Truman überreicht. Renner behielt nichts für sich; die Hälfte der Pakete gab er an Bedürftige und die andere Hälfte an Patienten des Tuberkulosesanatoriums „Baumgartnerhöhe“.
Die erste Verteilung dieser Pakete an die Bevölkerung war feierlich. Vor dem mit Fahnen geschmückten Haus bildete sich eine lange Schlange von Menschen. Die glücklichen Stadtbewohner wurden interviewt und fotografiert. Die erhaltenen Pakete enthielten 22 Kilogramm Lebensmittel mit einem Nährwert von 35.000 Kalorien. Sowie Zigaretten und Haushaltschemikalien: Seife, Papierhandtücher, die damals ein wahrer Schatz waren.

Täglich schickte „CARE“ 1000 Pakete nach Österreich. Später wurde der Inhalt um Pakete mit Medikamenten, Schuhen und Kleidung erweitert. Eine der wesentlichen Aufgaben der Organisation war die Hilfe für die Bevölkerung.
Den Hunger, die Nachkriegszerstörung und die Wirtschaftskrise zu überwinden, wäre ohne internationale Hilfe nicht möglich gewesen. Österreich erhielt einen Kredit in Höhe von 59 Millionen Dollar von der „United Nations Relief and Rehabilitation Administration“ („UNRRA“). Die Lebensmittellieferungen dauerten bis Mitte 1947 und erreichten einen Gesamtwert von 137 Millionen US-Dollar. Im Jahr 1948 nahm Österreich am europäischen Wiederaufbauprogramm teil. Das im Rahmen des Hilfsprogramms des „Marshall-Plans“ erhaltene Geld beschleunigte den Prozess des wirtschaftlichen Wiederaufbaus.