Sonntag, Mai 10, 2026

Geschichte des Bürgermeisters von Wien und vierten Präsidenten Österreichs, Franz Jonas

In der Geschichte Wiens gab es viele Bürgermeister, einer von ihnen war Franz Jonas. Während seiner Amtszeit leistete der Politiker einen großen Beitrag zur Entwicklung der Stadt. Über das Leben und Wirken von Jonas sprechen wir hier auf viennayes.eu ausführlicher.

Ein steiniger Weg

Der zukünftige Bürgermeister wurde am 29. September 1899 in Floridsdorf (heute der 21. Wiener Gemeindebezirk) geboren. Sein Vater war ein Hilfsarbeiter und seine Mutter war Hausfrau, die sich der Erziehung ihres Sohnes widmete. Franz wuchs als ruhiges Kind auf, spielte gerne mit den Nachbarskindern und las viel. Nach dem Abschluss der örtlichen Schule begann der junge Mann eine Ausbildung zum Schriftsetzer, konnte diese jedoch nicht beenden, da er zum Militärdienst eingezogen wurde.

Von 1919 bis 1932 arbeitete Jonas als Schriftsetzer und später als Korrektor. In dieser Zeit war er Mitglied der Buchdruckergewerkschaft und engagierte sich in der sozialdemokratischen Bewegung, später auch in der Partei. Parallel dazu lernte er aktiv die Sprache Esperanto und legte 1923 erfolgreich eine Prüfung in Wien ab. 1930 absolvierte der zukünftige Bürgermeister ein College in Döbling. Drei Jahre später wurde er zum Bezirksparteisekretär der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Floridsdorf ernannt.

Im Winter 1934 war er, wie viele andere auch, gezwungen, in die Tschechoslowakei zu emigrieren. Bereits im Sommer desselben Jahres kehrte er jedoch nach Wien zurück und begann seine Tätigkeit im Untergrund. 1935 wurde Jonas wegen seiner Teilnahme an der illegalen „Brünner Reichskonferenz der Revolutionären Sozialisten“ verhaftet. Er wurde im sogenannten „Sozialistenprozess“ gemeinsam mit Bruno Kreisky und anderen Sozialdemokraten angeklagt. Obwohl Franz aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde, verbrachte er 14 Monate in Haft. Erst 1936 kam Jonas wieder frei.

Erste politische Schritte und die Zeit als Wiener Bürgermeister

Nach seiner Rückkehr nach Floridsdorf fand Franz eine Anstellung in einer Lokomotivfabrik. Im April 1945 trat Jonas in die provisorische Bezirksverwaltung des 21. Bezirks ein. Durch die Zerstörung der Donaubrücken während des Zweiten Weltkriegs war Floridsdorf nahezu von Wien abgeschnitten. 1946 ernannte der damalige Bürgermeister Körner Jonas zum Bezirksvorsteher. Mit großem Einsatz gelang es ihm, das Amtsgebäude wiederherzustellen, das während der Kampfhandlungen schwer beschädigt und von sowjetischen Soldaten besetzt worden war.

Im Sommer 1948 wurde Jonas Stadtrat für das Ernährungswesen. Nach dem Tod von Franz Novy wurde er zum Amtsführenden Stadtrat gewählt und 1949 Mitglied des Gemeinderats. Daraufhin initiierte er ein wichtiges Programm für den sozialen Wohnungsbau.

Am 22. Juni 1951 wählte der Gemeinderat Franz Jonas zum Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien. In dieser Funktion gab er rechtmäßig Gebiete an Niederösterreich zurück, die während der NS-Zeit illegal an Wien angegliedert worden waren. Der neue Bürgermeister förderte auch den Wohnungsbau. Bereits 1956 wurde der Grundstein für den Bau von 50.000 Wohnungen gelegt.

Darüber hinaus erlangte Wien dank des Bürgermeisters internationale Bedeutung, und es gelang ihm, verschiedene Organisationen in die Stadt zu holen, wie zum Beispiel die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO). Für seine Verdienste wurde Jonas 1959 im Namen der Stadt Wien mit dem Europapreis des Europarates ausgezeichnet. Im Jahr 1961 wurde ihm der Titel „Ehrenbürger der Stadt Wien“ verliehen.

Am 1. Juni 1965 kandidierte Jonas für die SPÖ bei den Wahlen zum Bundespräsidenten. Er siegte mit 50,7 % der Stimmen und wurde der vierte Bundespräsident Österreichs. 1971 wurde er wiedergewählt. In seinem Amt bemühte sich der Politiker stets um einen Interessenausgleich zwischen den demokratischen Parteien. Es sei darauf hingewiesen, dass Jonas der Bundespräsident mit der längsten Amtszeit in Österreich war. Am 24. April 1974, während seiner zweiten Amtszeit, verstarb der Politiker an Krebs. Er wurde mit allen Ehren in der Präsidentengruft auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.

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