Sonntag, Mai 10, 2026

Militärische Seite der Wiener Geschichte: die Machenschaften der sowjetischen Besatzer

In Moskau war es bereits dunkel, als Stalin am Abend des 13. April 1945 den Feuerbefehl gab. Rund 324 Geschütze donnerten, und ein Feuerwerk erleuchtete den Nachthimmel. Der Diktator verkündete, dass die Rote Armee Wien eingenommen hatte, schreibt viennayes.eu.

Ein Befehl wird nicht diskutiert

Im Frühjahr 1945 überquerten Hunderte Soldaten der Roten Armee die österreichische Grenze. Sie hatten eine äußerst komplexe Offensive abgeschlossen und die Balkanregion von Bulgarien über Rumänien bis nach Ungarn erobert. Bei der Schlacht um Wien starben 20.000 Menschen. Unter den Alliierten, die gegen Hitler kämpften, erlitt die Rote Armee die größten Verluste im Zweiten Weltkrieg.

Einer der ersten Befehle an die sowjetischen Soldaten auf österreichischem Boden war eine Warnung in Form eines Appells. Sie sollten stolze Träger des Namens der Roten Armee sein und der ganzen Welt nicht nur die Macht der Armee, sondern auch ein hohes Maß an Disziplin und Kultur zeigen.

Sie kamen als Befreier auf österreichisches Land, doch diese Erfahrung war neu für sie. Für Hunderte von Kämpfern war es die erste und vielleicht einzige Begegnung mit dem kapitalistischen Westen. Den Befehl befolgten die Soldaten jedoch nicht; sie gingen in das kollektive Gedächtnis der Österreicher als Vergewaltiger und Plünderer ein.

In den sowjetischen Besatzungszonen des Landes herrschten Willkür und Ungerechtigkeit. Trotz strenger Verbote und harter Strafen beteiligten sich alle Ränge der sowjetischen Armee an den Ausschreitungen.

Im Jahr 1947 begann der Kalte Krieg. Die westlichen Alliierten, wie der französische Hochkommissar für Österreich, nutzten das Bild der Roten Armee für ihre Propaganda. Die österreichische Regierung wollte die Unabhängigkeit, strebte sie an, wagte aber nur leise Kritik zu üben.

1948 fragte der SPÖ-Vorsitzende Adolf Schärf den Bundeskanzler, was er aus seinen Notizen über die Befreiung Wiens veröffentlichen dürfe. Sollte man über Raub, Beschlagnahmungen und Misshandlungen schreiben, ohne den Zorn der Sowjetunion zu provozieren?

An allem war der Alkohol schuld

Während ihres Aufenthalts in Wien verfiel die sowjetische Armee dem Alkohol. Im August 1945 wurde befohlen, die kostenlose Ausgabe von Wodka an Feiertagen einzustellen. Im Herbst wurde in internen Berichten über eine Zunahme der Trunkenheit unter den Rotarmisten geschrieben; besonders der junge Wein gefiel den Soldaten.

Am Ende des ersten Besatzungsjahres in Wien musste die Armee schließlich zugeben, dass sie ihren Ruf in Österreich ruiniert hatte. Fast alle Verbrechen wurden im Zustand der Trunkenheit begangen. Rotarmisten verübten 270.000 Vergewaltigungen.

Die dunkle Seite der Besatzung, eine Welle von Vergewaltigungen durch die Rote Armee, hallt bis heute im Gedächtnis der Österreicher nach. Die Historikerin Barbara Stelzl-Marx beschrieb das Ausmaß der Übergriffe. Etwa 240.000 Frauen in Wien, Niederösterreich und der Steiermark wurden Opfer der Soldaten.

Die furchtlosen Rotarmisten

Während der Besatzung florierte der Schwarzmarkt. Die sowjetischen Soldaten fürchteten nicht einmal die Bestrafung; sie raubten Menschen aus und brachten das Diebesgut anschließend mit Lastwagen zum Naschmarkt. Dort wurden die Gegenstände gegen Lebensmittel getauscht. Korruption und Raub gab es sowohl unter Offizieren als auch unter einfachen Soldaten. Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs wurden in den Geschäften der sowjetischen Militärverwaltung zu Preisen angeboten, die die österreichischen um ein Vielfaches überstiegen.

Plünderungen waren verboten, aber es war erlaubt, Pakete nach Hause zu schicken, was viele als Einladung zur gewaltsamen Aneignung fremden Eigentums verstanden. Generäle durften alle zwei Monate Waren mit einem Gewicht von 16 Kilogramm versenden, Offiziere 10 Kilogramm und Soldaten 5 Kilogramm. Im Juli 1945 wurden die Strafen für Befehlsverweigerung verschärft.

Plünderung galt nun als Staatsverbrechen. Dennoch brachten führende Geheimdienstmitarbeiter Gold, Antiquitäten und wertvolle Gemälde nach Hause. Allein 60.000 Klaviere, 459.000 Radios und 3 Millionen Paar Schuhe gelangten aus den von ihnen besetzten Zonen in die Sowjetunion. All dies wurde über den Paketdienst der Armee verschickt.

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