Karin Kneissl war in der Politik erfolgreich. Jedoch verlor sie von einem auf den anderen Moment alles, ihre Ansichten wurden von Kollegen nicht unterstützt, was zu ihrer erzwungenen Ausreise aus dem Land führte, berichtet viennayes.eu.
Bildung an erster Stelle

Karin wurde 1965 in Wien geboren. Als das Mädchen vier Jahre alt war, zog die Familie nach Jordanien. Ein völlig neues Leben begann. Ihre Mutter fand eine Anstellung als Flugbegleiterin, und ihr Vater wurde zum persönlichen Piloten des Königs ernannt.
Nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Jordanien kehrte die Familie nach Wien zurück. Karin inskribierte an der Universität Wien an der Fakultät für Völkerrecht. Während ihrer Studienzeit war sie politisch aktiv und unterstützte zahlreiche Menschenrechtsorganisationen.
Nach dem Erwerb ihres Magistertitels studierte sie an der Universität von Jordanien und bald darauf an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Parallel dazu engagierte sie sich ehrenamtlich und in der Freiwilligenarbeit.
Eine Zeit lang lebte Karin in Amerika, wo sie am Center for Contemporary Arab Studies der Georgetown University studierte. 1991 zog sie nach Frankreich, um an der École Nationale d’Administration zu studieren. Nach ihrer Rückkehr nach Wien promovierte Kneissl.
Politische Tätigkeit

1989 begann Karins politische Karriere. Damals trat sie eine Stelle im Außenministerium an, wo sie sich mit den Problemen des Nahen Ostens befasste. Gleichzeitig arbeitete sie als freie Journalistin für österreichische und ausländische Publikationen und veröffentlichte Bücher.
2003 kehrte Kneissl in die Politik zurück. Sie übernahm die Leitung des Vereins „STRATEG“, der sich mit militärpolitischen Analysen befasste. Von 2005 bis 2010 war Karin Gemeinderätin, schloss sich aber keiner Partei an.
Ihren offiziellen parteilosen Status konnte sie auch nach ihrer Ernennung zur Außenministerin beibehalten. Ihren Erfolg verdankte sie ihrer politischen Haltung gegenüber Immigranten.
In ihren Reden bezeichnete die Beamtin das Abkommen zwischen der EU und der Türkei in der Migrationsfrage als sinnlos. Darüber hinaus warf sie der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel Leichtfertigkeit vor.
Während ihrer Amtszeit als Ministerin drängte die Politikerin auf eine Stärkung der diplomatischen Beziehungen zu Russland. Diese Handlungen stießen auf Kritik, und nach dem Regierungswechsel konnte Kneissl ihren Posten nicht behalten. In dieser Zeit setzte sie ihre Zusammenarbeit mit Russland fort und erhielt 2020 einen Sitz im Aufsichtsrat von „Rosneft“.
Im Jahr 2022 forderten Vertreter des Europäischen Parlaments Karin auf, den Aufsichtsrat zu verlassen, andernfalls drohe ihr die Aufnahme auf die schwarze Liste europäischer Politiker. Daraufhin zog die Beamtin auf der Suche nach einem besseren Leben nach Frankreich.
Privatleben

2018 heiratete Kneissl den Unternehmer Wolfgang Meilinger, mit dem sie zuvor mehrere Jahre liiert war. Die Ehe war jedoch von kurzer Dauer, und 2020 ließ sich das Paar scheiden. Karin zog vor Gericht und beschuldigte ihren Mann der häuslichen Gewalt. Letztendlich wurde in Wolfgangs Handlungen keine Absicht erkannt, seiner Frau körperlichen Schaden zuzufügen.
Interessante Fakten

- Neben ihrer Muttersprache Deutsch spricht Karin fließend Arabisch, Französisch und Spanisch. Französisch ist jedoch ihr Favorit; auf dieser Sprache führt sie ihr Tagebuch.
- Die Beamtin betreibt Landwirtschaft und hält zu Hause Enten, Hühner und sogar Pferde. Außerdem hat sie mehrere Haustiere – Katzen und Hunde –, von denen sie oft Fotos in den sozialen Netzwerken veröffentlicht.
- Vor ihrer politischen Karriere lehrte Karin an Hochschulen in Wien.
Nach ihrem Abschied aus der österreichischen Politik hat sich Kneissls Leben radikal verändert. In vielen Interviews mit verschiedenen Verlagen erzählt sie, dass sie ihren Rücktritt kein einziges Mal bereut hat.
2023 wurde bekannt, dass Karin nach Russland gezogen ist und sich in einem Dorf in der Nähe von St. Petersburg niedergelassen hat.