Sonntag, Mai 10, 2026

Die Schlacht um Wien: Die erste Türkenbelagerung

Im fernen Jahr 1529 wollte das osmanische Heer Wien erobern. Die Kämpfe um die Stadt dauerten zwei Wochen und endeten damit, dass sich die Osmanen zurückziehen mussten. Die erste Türkenbelagerung hat nicht nur für die Hauptstadt Österreichs, sondern für ganz Europa eine immense historische Bedeutung, schreibt viennayes.eu

Vorbereitung auf den Krieg

Die Hauptstadt Österreichs war schon immer ein begehrtes Ziel für die Osmanen. Das Osmanische Reich hatte große Pläne für die Stadt, da sie von großer strategischer Bedeutung war. Im Jahr 1529 versammelte Sultan Süleyman I. seine Armee und zog schließlich in den Feldzug; die Hoffnung, Wien erobern zu können, ließ ihm keine Ruhe. Um den Grund für den Angriff zu verstehen, müssen wir in die Vergangenheit zurückblicken. Im Jahr 1526 vernichtete der osmanische Herrscher Süleyman I. das Heer des ungarischen Königs Ludwig II. Jagiello und errang einen Sieg. Dies führte dazu, dass der gesamte südliche Teil Ungarns an die Türken fiel. Ludwig kam ums Leben, und da er keine Kinder hatte, war der Thron vakant. Ferdinand I. von Habsburg nutzte dies aus und erhob Anspruch auf den ungarischen Thron. Im Westen Ungarns wurde er anerkannt. Es gab jedoch auch Johann Zápolya, der ebenfalls die Macht an sich reißen wollte, zumal Süleyman I. ihm seine Zustimmung gab. Dies wurde zum Anlass für den osmanischen Feldzug.

Als klar wurde, dass eine friedliche Lösung nicht möglich war, versammelte Süleyman I. im Frühjahr 1529 sein gesamtes Heer in Bulgarien – über 120.000 Mann stark. Sein Plan umfasste die Eroberung ganz Ungarns und die Schwächung der Habsburger. Der Sultan übertrug das Kommando über die Truppen seinem Großwesir Ibrahim Pascha. Schon zu Beginn der Kriegsvorbereitungen wurde deutlich, dass nicht alles nach Plan für die Türken lief. Starke Regenfälle in Bulgarien führten zu Überschwemmungen. Kanonen und Kamele versanken im Schlamm. Die Türken mussten fast die Hälfte ihrer Kanonen, mit denen sie die Mauern Wiens beschießen wollten, in den Sümpfen zurücklassen. 

Der Angriff auf Wien 

Osmanische Truppen belagern Wien

Nachdem sie alle Hindernisse auf ihrem Weg überwunden hatten, erreichten die Osmanen Anfang August ungarischen Boden. Die Österreicher waren bereit, dem Feind würdig entgegenzutreten. Ferdinand bat seinen Bruder Karl V. um Hilfe, doch dieser befand sich im Krieg mit Frankreich und stellte ihm nur einige Kavallerieeinheiten zur Verfügung. Das Wiener Heer wurde von Marschall Wilhelm von Roggendorf befehligt. Er gab den Befehl, die Stadtmauern zu verstärken, alle Stadttore sicher zuzumauern und massive Erdbastionen zu errichten. Ende September umzingelten die Osmanen die Mauern Wiens. Unterwegs hatten sie viele Waffen verloren, und die Soldaten waren kaum kampfbereit. Ibrahim Pascha war jedoch entschlossen. Er schickte drei Europäer in die Stadt, um eine Kapitulation vorzuschlagen. Das Wiener Kommando schickte im Gegenzug drei Muslime zu den Türken, um zu übermitteln, dass niemand an eine Kapitulation dachte.  

Der gescheiterte Rückzug

Darstellung der Schlacht um Wien

Die Türken beschossen die Stadtmauern unbarmherzig in der Hoffnung, in die Stadt einzudringen, doch dies brachte nicht den gewünschten Erfolg. Die Erdbefestigungen waren so stark, dass sie kaum beschädigt wurden. Auch die Bogenschützen versuchten ihr Glück, aber vergeblich. Bald darauf begannen die Osmanen, Tunnel und Gräben zu graben, um in die Stadt zu gelangen, doch die Wiener unternahmen Ausfälle und störten die Grabarbeiten. Im Oktober fand der größte Ausfall statt. Dabei zerstörten 8.000 Verteidiger Wiens viele unterirdische Gänge des Feindes. Auch das Wetter zermürbte die Osmanen; ein heftiger Regenfall hinderte die türkische Armee daran, die Stadtmauer zu sprengen. 

Das Heer des Feindes wurde von Tag zu Tag schwächer – die Soldaten starben an Krankheiten und Wunden. Als Ibrahim Pascha erkannte, dass nichts zu erreichen war, begann er mit seiner Armee den Rückzug. Am 12. Oktober gab er den Befehl zu einem letzten Sturmangriff auf Wien. Doch auch dieser Angriff war, wie die vorherigen, erfolglos. Die Österreicher wehrten den Feind geschickt ab. Am 14. Oktober zogen sich die Osmanen zurück. Der Abzug des feindlichen Heeres war für die Österreicher ein wahres Wunder. Als die Türken abzogen, setzte unerwartet dichter Schneefall ein, was für die Jahreszeit völlig untypisch war. Die Invasion der osmanischen Armee fügte Europa großen Schaden zu. Viele Soldaten und Zivilisten verloren ihr Leben, andere wurden in die Sklaverei verkauft.

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