Donnerstag, Mai 21, 2026

Geschichte der Wiener Polizei: Die Entwicklung des städtischen Strafverfolgungssystems in der Antike

Die Entstehung und Entwicklung des Polizeiwesens in Wien ist ein anschauliches Beispiel für die Transformation der Sicherheitsfunktionen und -strukturen einer europäischen Stadt. Obwohl das moderne Institut der Polizei relativ spät kristallisierte, wurden die Aufgaben der Aufrechterhaltung der Ordnung, der Nachtpatrouillen, der Handelsaufsicht und des Brandschutzes in Wien über Jahrhunderte hinweg wahrgenommen, beginnend im Mittelalter und besonders aktiv während der Habsburgerzeit. Die städtischen Wachen und später der Polizeimeister (Polizeichef) sorgten zu ihrer Zeit für die Sicherheit der Bürger und regulierten die gesellschaftliche Ordnung. Mehr dazu auf viennayes.eu.

Erste Reformen: Die Geburt der systematischen Polizei in Wien

Die Formierung eines systematisierten Polizeidienstes in Wien als organisierte staatliche Institution begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Eine Schlüsselphase war die Regentschaft von Kaiserin Maria Theresia, auf deren Befehl hin im Jahr 1776 in der Stadt das Zentrale Polizeibüro (Zentrale Polizeibehörde) zusammen mit einem Netzwerk von Kommissariaten gegründet wurde.

Dieser Institutionalisierungsprozess wurde durch nachfolgende Reformen unter Joseph II. verstärkt. Im Jahr 1789 wurde das Büro in die Polizeidirektion (Polizeidirektion) umgewandelt, die zur zentralen Führungsinstanz wurde und alle lokalen Polizeichefs unter sich vereinen sollte.

Bereits einige Jahre später, im Jahr 1791, wurde der unabhängige Status der „Zentralpolizei“ jedoch etwas reduziert. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte entwickelte sich die Struktur der Wiener Polizeibehörden schrittweise weiter: Es fand ein Übergang vom kommunalen (städtischen) zum staatlichen Modell statt. Somit demonstriert Wien eine tiefe Tradition der Strafverfolgungsbehörden, die bis in die Kaiserzeit zurückreicht und bis heute andauert, was seine historische Bedeutung für die Entwicklung europäischer Sicherheitssysteme unterstreicht.

Professionalisierung: Die Geschichte der Wiener Polizei an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert war eine entscheidende Epoche für die Formalisierung und Institutionalisierung der Wiener Polizeibehörden, die sie in eine professionelle staatliche Struktur verwandelte. Ein wichtiger Schritt war die Ablösung der früheren „Militärwache“ durch die Kaiserlich-Königliche Schutzwache (kk-Schutzwache) im Jahr 1869. Bereits ab den 1870er Jahren wurde dieser Dienst aus der Zuständigkeit des Kriegsministeriums herausgelöst und der Kompetenz des Innenministeriums unterstellt, was seinen zivilen und nicht militärischen Charakter betonte.

Parallel zur Entwicklung der Stadtwache formierte sich aktiv die Kriminalpolizei. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden spezialisierte Kriminalabteilungen geschaffen, die später zur Grundlage für moderne Spezialdienste wurden, insbesondere in den Bereichen Kriminalitätsbekämpfung und Ermittlungen.

Der Höhepunkt dieses Professionalisierungsprozesses war die Eröffnung des Kaiserlich-Königlichen Polizeimuseums (Polizeimuseum) im Jahr 1899. Diese Initiative diente als Symbol für den Übergang der Polizei zu einer organisierten Struktur mit administrativen und kriminalistischen Funktionen und demonstrierte das Bestreben, die Geschichte, Dokumentation und Arbeit der neuen staatlichen Institution zu bewahren. Somit hörte die Wiener Polizei endgültig auf, nur eine „Wache“ zu sein, und nahm die Züge eines modernen Strafverfolgungsdienstes an.

Dunkle Seiten der Ordnung: Wie die österreichische Polizei das NS-Terrorregime unterstützte

Schon lange vor dem „Anschluss“ 1938 war die Exekutive in Österreich weitgehend von Nationalsozialisten unterwandert. Dies machte den Polizeiapparat zu einem zentralen Bestandteil der NS-Diktatur, deren Herrschaft, wie Historiker betonen, auf extremer Gewalt beruhte.

Archive, die jahrzehntelang in den Kellern des Innenministeriums und der Staatspolizeidirektion verstaubten, sind nun für die Forschung geöffnet. Im Rahmen des Projekts „Polizei in Österreich: Brüche und Kontinuitäten 1939–1945“ entdeckten Forscher interne Säuberungen, seltene Fälle organisierten Widerstands und den komplexen Prozess der Entnazifizierung nach dem Krieg.

Experten weisen darauf hin, dass bereits vor 1938 Nationalsozialisten 20 bis 30 Prozent der Exekutive stellten, während überzeugte Gegner nur etwa 25 % ausmachten. Der Rest war passiv oder opportunistisch. Schon vor Hitlers Machtübernahme, bis 1931, gab es in der österreichischen Polizei erhebliche Sympathien für die NS-Ideologie, insbesondere in der traditionell deutschnational gesinnten Führungsebene.

Ein anschauliches Beispiel ist ein Gruppenfoto der Wiener Schutzwache von 1933, auf dem ehemalige Kollegen abgebildet sind, deren Schicksale sich stark trennten. Drei hochrangige Beamte, die einen Staatsstreich gegen die Dollfuß-Regierung planten, wurden inhaftiert. Nach dem „Anschluss“ wurden sie jedoch freigelassen und machten eine glänzende Karriere im NS-Polizeiapparat. Gleichzeitig wurden ihre Kollegen, wie Heinrich Hüttl und Rudolf Manda, die zwischen 1933 und 1938 illegale Nationalsozialisten verfolgten, im ersten Transport nach Dachau deportiert.

Säuberungen, Gewalt und das Problem der Entnazifizierung

Das NS-Regime begann unmittelbar nach dem „Anschluss“ mit der Säuberung der Polizei von „unzuverlässigen Elementen“. Die Pensionierung war dabei noch die geringste Folge: Viele ehemalige Exekutivmitglieder wurden Opfer von Gewalt. Fälle organisierten Widerstands waren seltene Ausnahmen; zum Beispiel waren sechs Mitglieder der patriotischen Gruppe „Freies Österreich“ Polizisten und wurden im April 1945 hingerichtet.

Die Polizeiakten enthüllten ein komplexes Bild der Entnazifizierung. Der Fall von Karl Silberbauer (Gestapo-Offizier, der an der Verhaftung von Anne Frank beteiligt war) zeigt, wie er, obwohl er 1947 als „belastet“ galt, 1954 in den Dienst als Kriminalbeamter wieder eingestellt wurde und bis zur Pensionierung diente. Forscher, die das Pilotprojekt initiierten, sind sich einig, dass eine weitere quantitative Analyse der Kontinuität nach 1945 notwendig ist, um Fragen zu beantworten, insbesondere zur Rolle von Frauen als Täterinnen.

Ähnlich ist der Fall von Gustav Schwarzenegger (Arnolds Vater), der trotz seiner SA-Mitgliedschaft als „minder belastet“ eingestuft wurde und bis 1972 als Gendarm diente. Forscher kommen zu dem Schluss, dass die Gendarmerie aufgrund des akuten Personalmangels nach dem Krieg bewusst auf minder belastete Nationalsozialisten zurückgriff. Wie im Rest der Gesellschaft verflog die anfängliche Energie zur Aufarbeitung der Vergangenheit schnell, und die Urteile wurden milder oder aufgehoben.

Das Erbe der Polizei: Museen und historische Stätten in Wien

Die reiche Geschichte der Wiener Strafverfolgungsbehörden lässt sich nicht nur in Archiven nachvollziehen, sondern auch in materiellen Objekten – Gebäuden und Museumsausstellungen, die die Abstraktion der Polizei in eine lebendige Institution mit Erbe verwandeln. Eine Schlüsselquelle für das Studium der Geschichte ist das Wiener Kriminalmuseum, das aus dem ehemaligen Kaiserlich-Königlichen Polizeimuseum (gegründet 1899) hervorgegangen ist. Dieses Museum beherbergt heute eine einzigartige Sammlung, die die Geschichte der Polizei, der Kriminalität und der Ermittlungen in Wien illustriert und eine der besten Quellen für historische Forschungen darstellt.
Darüber hinaus bleibt das ehemalige Hauptquartier der Wiener Polizei, das von 1875 bis 1945 unter der Adresse Schottenring 11 (im Ersten Bezirk, Innere Stadt) funktionierte, ein markanter Ort. Dieses Gebäude war das wahre „Sicherheitszentrum“ der Stadt, in dem die Polizeiführung, Hafträume und Kasernen untergebracht waren.

Quellen: wien.kriminalmuseum.at, www.bmi.gv.at, www.aeiou.at, www.derstandard.de

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